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Funktioniert Einfach

Fördermittel & Digitalisierung

Fördermittel für Digitalisierung finden: Schritt für Schritt zum passenden Programm

Tobias Werner, Inhaber von Funktioniert Einfach, Ihr persönlicher Ansprechpartner

Tobias Werner, Funktioniert Einfach

· 16 Min. Lesezeit

Sie möchten Kundenanfragen besser organisieren, einen Onlineshop aufbauen oder wiederkehrende Aufgaben automatisieren. Das Vorhaben ist sinnvoll – aber welche Förderung passt dazu? Und lohnt sich der Aufwand für einen Antrag überhaupt?

Die entscheidende Frage lautet: Welche Bestandteile Ihres konkreten Projekts können unter welchen Bedingungen unterstützt werden? Eine Softwarelizenz, eine Prozessberatung und die technische Einrichtung sind unterschiedliche Leistungen. Ein Programm kann einen dieser Bausteine fördern und die übrigen ausschließen.

Dieser Ratgeber führt Sie von einer ersten Idee zu einer begründeten Auswahl. Sie erhalten eine Projektvorlage, einen Prüfplan, eine Beispielrechnung und eine Unterlagencheckliste. Damit können Sie die Recherche selbst beginnen und gezielt nachfragen, wo eine Entscheidung offenbleibt.

Die kurze Antwort: Beschreiben Sie zuerst Ihr Vorhaben. Trennen Sie die Kostenarten. Prüfen Sie anschließend Unternehmen, Programm, Dienstleister, Projektbeginn und Finanzierung. Erst wenn diese Punkte zusammenpassen, ist ein Förderantrag der nächste sinnvolle Schritt.

1. Welche Art von Unterstützung brauchen Sie?

Bevor Sie nach Programmnamen suchen, ordnen Sie Ihren Bedarf ein. Die folgende Tabelle hilft bei der Suche; sie ist noch keine Aussage über die Förderfähigkeit.

1. Welche Art von Unterstützung brauchen Sie?
Ihr BedarfPassende SuchrichtungWas Sie klären sollten
Sie wissen noch nicht, welche Abläufe oder Systeme verändert werden sollen.Unternehmens- oder ProzessberatungWerden Analyse, Konzept und Handlungsempfehlungen unterstützt?
Sie möchten Software, Hardware oder eine technische Lösung anschaffen beziehungsweise einführen.Investitionsförderung oder FörderkreditWelche Anschaffungs-, Einrichtungs- und laufenden Kosten werden berücksichtigt?
Mitarbeitende sollen digitale Veränderungen gemeinsam entwickeln und erproben.Organisationsentwicklung oder CoachingWelche Beteiligung des Teams und welche Qualifikation des Coaches sind vorgeschrieben?
Eine größere Investition ist wirtschaftlich sinnvoll, benötigt aber Finanzierung.FörderkreditKönnen Sie Zins und Tilgung tragen, und erfüllt das Vorhaben die Kreditbedingungen?

Ein Zuschuss und ein Förderkredit wirken unterschiedlich auf Ihre Finanzierung. Ein Zuschuss reduziert bei ordnungsgemäßer Durchführung die von Ihnen zu tragenden Kosten. Ein Kredit stellt Mittel bereit, die nach den vereinbarten Bedingungen zurückgezahlt werden müssen. Bestimmte Programme verbinden beides: Beim ERP-Förderkredit Digitalisierung der KfW ist für geeignete Vorhaben zusätzlich ein Zuschuss möglich. Er ist an das Kreditprogramm gebunden. [7]

Ihre Aufgabe: Schreiben Sie hinter jeden Projektbaustein, ob Sie dafür Beratung, Umsetzung, Anschaffung, Schulung oder Finanzierung benötigen. So vermeiden Sie, einen gesamten Auftrag mit einem Programm abgleichen zu wollen, das nur einen Teil davon abdeckt.

2. Beschreiben Sie Ihr Projekt auf einer Seite

„Wir möchten digitaler werden“ lässt viele Fragen offen. Eine gute Projektbeschreibung erklärt den heutigen Ablauf, das konkrete Problem und die angestrebte Verbesserung.

Sie brauchen dafür zunächst keine technische Fachsprache. Beantworten Sie diese sieben Fragen:

  1. Welcher Vorgang verursacht heute Zeitverlust, Fehler oder unnötige Rückfragen?
  2. Wer arbeitet damit, und wie häufig kommt der Vorgang vor?
  3. Welche Programme, Listen oder Papierunterlagen werden bisher verwendet?
  4. Was soll nach dem Projekt einfacher oder zuverlässiger funktionieren?
  5. Welche Maßnahmen sind dafür vorgesehen?
  6. Wie überprüfen Sie die Verbesserung?
  7. Welche Kosten, Termine und Verantwortlichkeiten sind bereits bekannt?

Fiktives Planungsbeispiel: Kundenanfragen in einem Handwerksbetrieb

Ein Betrieb erhält Anfragen über E-Mail, Telefon und sein Kontaktformular. Zwei Personen übertragen Informationen in eine Tabelle. Angebote werden teilweise verspätet nachverfolgt.

Die Projektbeschreibung könnte lauten:

Wir möchten die Bearbeitung eingehender Kundenanfragen vereinheitlichen. Geplant sind die Analyse des bisherigen Ablaufs, ein gemeinsamer Bearbeitungsprozess und die Auswahl sowie Einführung eines geeigneten CRM-Systems. Jede Anfrage soll einer verantwortlichen Person zugeordnet werden. Nachfassaufgaben sollen nachvollziehbar terminiert sein. Vor Projektbeginn erfassen wir vier Wochen lang die Bearbeitungszeiten und vergleichen sie nach der Einführung erneut.

Das ist eine prüfbare Beschreibung. Sie behauptet weder eine bestimmte Zeitersparnis noch einen bereits erreichten Erfolg.

Wie ein eigenes System aufgebaut werden kann, zeigt unser Beitrag CRM selbst erstellen mit Base44. Ob ein konkretes Vorhaben gefördert werden kann, ist davon getrennt zu prüfen.

Vorlage zum Übernehmen

Vorlage zum Kopieren
Unternehmen und Projektstandort:
Ausgangssituation:
Konkretes Problem:
Betroffene Personen beziehungsweise Bereiche:
Geplante Maßnahmen:
Erwartete Verbesserung:
Messgröße und heutiger Ausgangswert:
Grober Budgetrahmen:
Geplanter Zeitraum:
Verantwortliche Person:
Bereits eingeholte Angebote:
Bereits erteilte Aufträge oder begonnene Arbeiten:
Noch offene Entscheidungen:

Ergebnis dieses Schritts: Sie können einer Förderstelle verständlich erklären, was Sie vorhaben. Verwenden Sie dieselbe Beschreibung anschließend für Angebote, Rückfragen und Ihren internen Projektplan.

Für KI-Vorhaben finden Sie weitere Projektbeispiele und Prüfschritte im Ratgeber KI und Automatisierung fördern lassen.

3. Prüfen Sie, ob Ihr Unternehmen zur Zielgruppe gehört

Programme grenzen ihre Zielgruppen unterschiedlich ein. Legen Sie deshalb ein kurzes Unternehmensprofil an:

3. Prüfen Sie, ob Ihr Unternehmen zur Zielgruppe gehört
AngabeWas Sie zusammentragen
Sitz und ProjektstandortAnschrift, Bundesland und gegebenenfalls abweichender Umsetzungsort
TätigkeitTatsächliche Leistungen beziehungsweise Produkte und Branche
UnternehmensalterGründungsdatum und Datum der Aufnahme der Geschäftstätigkeit
GrößeBeschäftigtenzahl, Jahresumsatz und gegebenenfalls Bilanzsumme
BeteiligungenUnternehmen, die beteiligt sind oder an denen Sie beteiligt sind
VorhabenProjektbeschreibung, Kostenarten und aktueller Projektstand
Bisherige UnterstützungBewilligungen und Beihilfebescheinigungen; außerdem laufende Anträge

Was bedeutet KMU?

Nach der EU-Definition gehören Unternehmen grundsätzlich zur Gruppe der kleinen und mittleren Unternehmen, wenn sie weniger als 250 Beschäftigte haben und entweder höchstens 50 Millionen Euro Jahresumsatz oder höchstens 43 Millionen Euro Jahresbilanzsumme erreichen. Unternehmensverbindungen können dazu führen, dass weitere Unternehmensdaten einzubeziehen sind. Die Beschäftigtenzahl allein genügt deshalb nicht. [2]

Für eine erste Recherche reichen Näherungswerte. Im Antrag verwenden Sie die Definition und Berechnungsmethode, die das jeweilige Programm verlangt.

Praktischer Hinweis: Auch eine kleine Gesellschaft kann wegen ihrer Beteiligungsstruktur anders einzuordnen sein, als es die Zahl der eigenen Mitarbeitenden vermuten lässt. Schreiben Sie „noch zu prüfen“, wenn der Unternehmensverbund nicht eindeutig ist.

4. Suchen Sie mit einer festen Methode nach Programmen

Die Förderdatenbank des Bundes bündelt Informationen zu Förderprogrammen des Bundes, der Länder und der Europäischen Union. Sie ist ein sinnvoller Ausgangspunkt; über die Programmbeschreibungen gelangen Sie zu weiteren Informationen und zuständigen Stellen. [1]

So gehen Sie vor:

  1. Öffnen Sie die Förderdatenbank des Bundes.
  2. Beginnen Sie mit einem konkreten Begriff, etwa „Prozessdigitalisierung“, „Unternehmensberatung“, „IT-Sicherheit“ oder „Digitalisierung“.
  3. Nutzen Sie passende Filter für Fördergebiet, Förderberechtigte und Förderart.
  4. Suchen Sie bei Bedarf mit einem zweiten Begriff weiter. Die Bezeichnung Ihres Projekts muss nicht der Bezeichnung eines Programms entsprechen.
  5. Legen Sie eine kleine Auswahl von zunächst zwei bis vier plausiblen Programmen an.
  6. Öffnen Sie für jeden Kandidaten die Seite der zuständigen Förderstelle, den aktuellen Aufruf und die Richtlinie.
  7. Notieren Sie Quelle, Prüfdatum und die erste offene Frage.

Für ein Vorhaben in NRW prüfen Sie zusätzlich die Angebote und Ansprechpartner der NRW.BANK. Für andere Bundesländer verwenden Sie die jeweilige Landesförderbank beziehungsweise die zuständige Förderstelle.

Setzen Sie sich für die erste Recherche ein Zeitfenster von 30 bis 45 Minuten. Das ist eine Arbeitshilfe, keine Zusage, dass sich in dieser Zeit ein geeignetes Programm finden lässt. Anschließend sollten Sie entweder konkrete Kandidaten oder eine gezielte Frage haben.

Vorsicht bei veralteten Programmlisten

„go-digital“ ist zum 31. Dezember 2024 ausgelaufen; neue Förderanträge sind nicht mehr möglich. Auch „Digital Jetzt“ ist Ende 2023 ausgelaufen. Ältere Artikel können weiterhin gut auffindbar sein und frühere Zuschüsse beschreiben. Prüfen Sie deshalb immer den aktuellen Programmstatus. [8][9]

Unterscheiden Sie dabei drei Dinge: Die Richtlinie kann noch gelten, während kein Antragsfenster geöffnet ist. Ein geöffnetes Fenster kann wegen ausgeschöpfter Mittel vorzeitig schließen. Und eine erreichbare Informationsseite bedeutet nicht automatisch, dass gerade Anträge angenommen werden.

5. Vier Förderwege, die Sie unterscheiden sollten

Die folgenden Beispiele zeigen unterschiedliche Förderlogiken. Sie sind eine Auswahl zum Quellenstand dieses Artikels und ersetzen keine Prüfung Ihres Einzelfalls oder der aktuellen Antragssituation.

5. Vier Förderwege, die Sie unterscheiden sollten
FörderwegWorum es gehtWichtige Abgrenzung
BAFA: Förderung von Unternehmensberatungen für KMUKonzeptionelle Beratung zu Fragen der Unternehmensführung, etwa zur Organisation oder zu Prozessen.Keine pauschale Bezuschussung von Websitebau oder Softwarekauf. Beratungsinhalt und Anbietervoraussetzungen müssen passen. [3]
INQA-CoachingVeränderungen der Arbeitsorganisation im digitalen Wandel gemeinsam mit Beschäftigten gestalten.Die Förderung betrifft ein methodisch geregeltes Coaching durch autorisierte Coaches. Unternehmensalter und Beschäftigungsumfang gehören zu den Voraussetzungen. [4][11]
MID-Digitale Prozesse, NRWExterne Beratung zur Verbesserung interner Abläufe und Vorbereitung einer Softwareeinführung.Software, Hardware und Lizenzen selbst gehören nicht zu den förderfähigen Anschaffungskosten dieses Teilprogramms. [5]
ERP-Förderkredit Digitalisierung, KfWFinanzierung von Digitalisierungsvorhaben; je nach Einstufung kommt ein ergänzender Zuschuss in Betracht.Der Antrag läuft über einen Finanzierungspartner. Es handelt sich um eine Kreditfinanzierung mit Rückzahlungsverpflichtung. [7]

Beispiel NRW: Der Mindestumfang zählt

MID-Digitale Prozesse sieht mindestens zehn und höchstens 30 Beratungstagewerke vor. Der Zuschuss beträgt höchstens 500 Euro je Tagewerk. Damit ist das Programm nicht auf eine beliebig kleine Einzelleistung zugeschnitten. Außerdem bestehen Ausschlüsse, beispielsweise für bestimmte Einrichtungen im Gesundheitsbereich. Prüfen Sie deshalb die Richtlinie vollständig und übertragen Sie allgemeine Aussagen über KMU nicht ungeprüft auf Ihre Branche. [6]

Die NRW.BANK veröffentlicht die jeweilige Antragssituation. Eine Einschätzung sollte deshalb immer auch das aktuell verfügbare Antragsfenster berücksichtigen. [5]

Wird die Fördermittelsuche selbst gefördert?

Im genannten BAFA-Programm sind Beratungen ausgeschlossen, die überwiegend Fördermittel zum Inhalt haben. Ebenfalls ausgeschlossen sind Beratungen, die auf den Erwerb eigener Waren oder Dienstleistungen des Beratungsunternehmens gerichtet sind. Eine Fördermittelprüfung und eine förderfähige Unternehmensberatung sind daher nicht gleichzusetzen. [3]

Diese Unterscheidung ist auch dann relevant, wenn derselbe Anbieter zusätzlich Websites, Software oder Automatisierungen anbietet. Lassen Sie sich den Beratungsgegenstand und die Trennung der Leistungen nachvollziehbar erläutern.

Wenn Sie Unterstützung bei der ersten Einordnung wünschen, finden Sie unter Fördermittelberatung für Unternehmen den Ablauf unseres persönlichen Förderchecks.

6. Erstellen Sie für jeden Kandidaten einen Fördersteckbrief

Ein passender Programmname ist erst der Anfang. Mit dieser Vorlage können Sie Angebote systematisch vergleichen:

6. Erstellen Sie für jeden Kandidaten einen Fördersteckbrief
PrüffeldIhre Notiz
Programm und offizielle QuelleName, URL, zuständige Stelle
AktualitätDatum Ihrer Prüfung; aktueller Aufruf beziehungsweise Antragsstatus
ZielgruppeStandort, Branche, Unternehmensgröße und weitere Voraussetzungen
FördergegenstandWelche Ihrer Maßnahmen passen grundsätzlich?
KostenartenWelche Positionen könnten berücksichtigt werden, welche bleiben ausgeschlossen?
UmfangMindestvolumen, Höchstbetrag, Tagessätze oder andere Grenzen
AnbieterRegistrierung, Autorisierung, Unabhängigkeit oder sonstige Anforderungen
BeginnWas gilt als Projektstart, und welche Freigabe ist vorher erforderlich?
FinanzierungEigenanteil, nicht geförderte Kosten, Vorfinanzierung, Auszahlungszeitpunkt
KombinationBestehende Förderungen, Beihilfegrenzen und Kumulierungsregeln
NachweiseErforderliche Unterlagen, Berichte und Fristen
EntscheidungWeiter prüfen, Rückfrage stellen oder begründet aussortieren

Markieren Sie jedes Feld mit „geklärt“, „offen“ oder „passt nicht“. Eine unbekannte Voraussetzung ist noch keine erfüllte Voraussetzung.

So formulieren Sie eine hilfreiche Rückfrage

Verwenden Sie Ihr Projektbriefing und fragen Sie konkret:

Vorlage zum Kopieren
Unser Unternehmen hat seinen Sitz in [Ort] und plant [Vorhaben]. Vorgesehen sind [getrennte Leistungen] bei einem Budget von ungefähr [Betrag]. Ein Auftrag wurde [noch nicht/bereits] erteilt. Können Sie bitte erläutern, ob [konkreter Projektbaustein] unter den Fördergegenstand fällt und welche Schritte vor einer Beauftragung erforderlich sind?

Bitten Sie bei entscheidenden Auskünften um einen Verweis auf die einschlägige Regel oder eine schriftliche Erläuterung. Eine Orientierung im Beratungsgespräch ersetzt keinen Bewilligungsbescheid.

7. Klären Sie den erlaubten Projektbeginn vor der Beauftragung

Ein häufiger Fehler ist die Annahme: „Ich habe den Antrag abgeschickt, also kann ich jetzt anfangen.“ Die tatsächlichen Abläufe unterscheiden sich.

Beim BAFA ist nach der Antragstellung zunächst das Informationsschreiben abzuwarten. Erst danach darf der Beratungsvertrag geschlossen beziehungsweise die Beratung begonnen werden. Das Schreiben stellt eine Förderung noch nicht verbindlich sicher. [12]

Bei INQA-Coaching erlaubt der Coaching-Scheck einen vorzeitigen Beginn auf Risiko des antragstellenden Unternehmens. Er ist keine verbindliche Förderbewilligung. [11]

Bei MID-Digitale Prozesse zählt bereits ein verbindlicher projektbezogener Auftrag als Beginn. Die Vorgaben zum förderunschädlichen Start müssen daher vor einer Beauftragung geklärt sein. [6]

Fragen Sie vor einer Unterschrift:

  • Was gilt in diesem Programm genau als Beginn?
  • Reicht die Antragstellung, oder muss eine weitere Erklärung beziehungsweise Entscheidung vorliegen?
  • Wie werden bereits beauftragte oder angefangene Bestandteile behandelt?
  • Welche Frist gilt für Umsetzung und Nachweise?
  • Welche Änderungen müssen vorab abgestimmt werden?

Nehmen Sie keine Rückdatierungen vor und stellen Sie bereits beauftragte Leistungen nicht als neue Vorhaben dar. Wenn etwas schon läuft, beschreiben Sie den tatsächlichen Stand und lassen Sie prüfen, welche Optionen noch bestehen.

8. Berechnen Sie Zuschuss, Eigenanteil und tatsächlichen Aufwand

Eine hohe Förderquote sagt wenig aus, solange die förderfähige Kostenbasis unbekannt ist. Rechnen Sie deshalb mit einzelnen Kostenpositionen.

Fiktives Rechenbeispiel – keinem bestimmten Programm zugeordnet

Angenommen, ein Unternehmen plant folgendes Projekt:

Fiktives Rechenbeispiel – keinem bestimmten Programm zugeordnet
KostenpositionGeplanter Nettobetrag
Analyse der bestehenden Abläufe2.000 €
Soll-Konzept und Auswahl einer Lösung3.000 €
Technische Einrichtung und Datenübernahme4.000 €
Lizenzen für den betrachteten ersten Zeitraum1.000 €
Gesamte externe Projektkosten10.000 €

Für die reine Beispielrechnung nehmen wir an, dass nur Analyse und Konzept anerkannt werden und darauf ein Zuschuss von 50 Prozent ohne weitere Begrenzung gewährt wird. Diese Annahme ist keine Aussage über ein verfügbares Programm.

Die Rechnung lautet:

  • Angenommene förderfähige Kosten: 5.000 €.
  • Angenommener Zuschuss: 5.000 € × 50 Prozent = 2.500 €.
  • Verbleibende externe Projektkosten: 10.000 € − 2.500 € = 7.500 €.

Obwohl die angenommene Förderquote 50 Prozent beträgt, sinken die gesamten externen Projektkosten nur um 25 Prozent.

Berücksichtigen Sie den Zusatzaufwand

Angenommen, für die Förderung entstehen zusätzlich acht interne Arbeitsstunden zu einem kalkulatorischen Wert von jeweils 50 Euro und 300 Euro externe Unterstützungskosten.

Dann beträgt der rechnerische Vorteil gegenüber demselben Projekt ohne Förderantrag:

2.500 € Zuschuss − 400 € interner Zeitaufwand − 300 € zusätzliche Kosten = 1.800 €.

Das ist eine wirtschaftliche Modellrechnung vor steuerlichen Effekten. Sie setzt voraus, dass sich Umfang und Preis des eigentlichen Projekts nicht wegen der Förderung erhöhen. Interner Zeitaufwand ist außerdem nicht automatisch eine zusätzliche Auszahlung, bindet aber Arbeitskapazität.

Prüfen Sie die Liquidität separat

Die verbleibenden Kosten nach einem Zuschuss sind nicht mit dem höchsten zwischenzeitlichen Geldbedarf identisch.

INQA-Coaching folgt dem Erstattungsprinzip: Das Unternehmen bezahlt zunächst die vollständigen Coachingkosten aus Eigenmitteln; die Erstattung erfolgt nach Abschluss und Prüfung. [11] Bei MID-Digitale Prozesse sieht die Richtlinie dagegen grundsätzlich eine Auszahlung mit Bestandskraft des Bescheids vor. [6]

Erstellen Sie deshalb eine einfache Zahlungsliste: Wann sind Anzahlungen, Rechnungen, Steuern und laufende Kosten fällig? Wann ist mit einer Auszahlung zu rechnen, und welche Voraussetzungen müssen dafür erfüllt sein?

Das Beispiel oben rechnet netto. Für Ihren tatsächlichen Zahlungsplan müssen Sie Bruttorechnungen, einen möglichen Vorsteuerabzug und die programmspezifische Behandlung der Umsatzsteuer gesondert berücksichtigen.

Lohnt sich der Antrag für ein kleines Projekt?

Vergleichen Sie den möglichen Zuschuss mit dem zusätzlichen Aufwand und einer schlanken Umsetzung ohne Förderung. Ein wirtschaftlich vernünftiges Ergebnis kann sein, ein kleines Projekt direkt zu bezahlen. Vergrößern Sie ein Vorhaben nicht allein deshalb, um eine Mindestgrenze zu erreichen.

9. Prüfen Sie vorhandene Beihilfen und die Kombination mehrerer Programme

Bei allgemeinen De-minimis-Beihilfen gilt grundsätzlich eine Obergrenze von 300.000 Euro je einzigem Unternehmen und Mitgliedstaat innerhalb eines rollierenden Dreijahreszeitraums. Dabei können verbundene Unternehmen zusammen zu betrachten sein. Für bestimmte Bereiche gelten besondere Regelungen. Diese Obergrenze ist kein Förderanspruch und kein automatisch verfügbares Budget. [10]

Für die Vorbereitung hilft eine Liste mit Programm, Bewilligungsdatum, ausgewiesenem Beihilfewert und begünstigtem Unternehmen. Nutzen Sie die Werte aus den Bescheinigungen. Der Beihilfewert ist beispielsweise bei einem Darlehen nicht ohne Weiteres dessen gesamter Kreditbetrag.

Eine freie De-minimis-Grenze bedeutet außerdem nicht, dass zwei Programme für dieselben Kosten kombiniert werden dürfen. Prüfen Sie die jeweiligen Kombinationsregeln ausdrücklich. Im Teilprogramm MID-Digitale Prozesse sind weitere öffentliche Zuschüsse für dieselbe beantragte Maßnahme ausgeschlossen; öffentliche Darlehen und Bürgschaften werden gesondert behandelt. [6]

Ihre Aufgabe: Tragen Sie bereits gewährte Unterstützung und laufende Anträge vollständig zusammen. Klären Sie offene Kombinationen vor der Antragstellung, statt zwei Zuschüsse einfach zu addieren.

10. Bereiten Sie Unterlagen und Nachweise vor

Nicht jedes Programm verlangt jedes Dokument. Mit einer geordneten Arbeitsmappe vermeiden Sie jedoch, dieselben Informationen mehrfach zusammensuchen zu müssen.

Für die Prüfung und Antragstellung

  • Unternehmensdaten und Nachweis der Geschäftstätigkeit.
  • Angaben zu Beschäftigung, Umsatz und gegebenenfalls Bilanz.
  • Übersicht zur Beteiligungsstruktur.
  • Projektbeschreibung mit Ausgangslage, Maßnahmen und Ziel.
  • Nach Leistungen aufgeschlüsselte Angebote.
  • Kosten- und Finanzierungsplan.
  • Zeitplan mit vorgesehenem Beginn.
  • Angaben zu bereits beantragter oder bewilligter Unterstützung.
  • De-minimis-Bescheinigungen, soweit relevant.
  • Programmspezifische Nachweise des vorgesehenen Dienstleisters.

Für Durchführung und Abschluss

Planen Sie einen gemeinsamen Ablageort für Bescheid, Nebenbestimmungen, Projektkorrespondenz, Änderungen, Leistungsnachweise, Rechnungen und Zahlungsbelege. Welche Unterlagen Sie tatsächlich einreichen oder aufbewahren müssen, entnehmen Sie dem konkreten Programm und Ihrem Bescheid.

Für Ihren eigenen Überblick empfiehlt sich ein einfaches Projektprotokoll:

Für Durchführung und Abschluss
DatumMaßnahme oder EntscheidungZuständige PersonErgebnis / Nachweis
EintragenEintragenEintragenEintragen

Halten Sie auch fest, ob die angestrebte Verbesserung erreicht wurde. Beim Beispiel der Kundenanfragen könnten Sie Bearbeitungszeiten, offene Vorgänge und Rückfragen vor und nach der Einführung vergleichen.

Eine Förderung macht eine schlecht eingeführte Software nicht automatisch zu einem guten Projekt. Benennen Sie daher früh eine Person, die Umsetzung, Teamabstimmung und Nachweise zusammenhält.

11. Ihr Entscheidungscheck vor dem nächsten Schritt

Gehen Sie diese Punkte einmal vollständig durch:

  • Ich kann das betriebliche Problem und das Projektziel konkret beschreiben.
  • Beratung, Umsetzung, Anschaffungen und laufende Kosten sind getrennt.
  • Standort, Branche, Größe und Unternehmensverbindungen wurden berücksichtigt.
  • Ich habe den aktuellen Programmstatus auf einer offiziellen Seite geprüft.
  • Fördergegenstand, Mindestumfang und wichtige Ausschlüsse passen.
  • Die Voraussetzungen des vorgesehenen Dienstleisters sind geklärt.
  • Ich weiß, welche Schritte vor einer Beauftragung erforderlich sind.
  • Ich habe Eigenanteil, nicht geförderte Kosten und Zusatzaufwand gerechnet.
  • Der zwischenzeitliche Liquiditätsbedarf ist tragbar.
  • Bestehende Förderungen und mögliche Kombinationen sind geprüft.
  • Zuständigkeiten, Umsetzung und Nachweise sind vorbereitet.

Wenn einzelne Antworten offen sind, formulieren Sie daraus Ihre Rückfragen. Wenn grundlegende Voraussetzungen nicht passen, konzentrieren Sie sich auf einen anderen Förderweg oder auf eine wirtschaftliche Umsetzung ohne Zuschuss.

Häufige Fragen zur Digitalisierungsförderung

Können auch Selbstständige Fördermittel erhalten?

Das hängt vom Programm ab. Manche Angebote beziehen freie Berufe ein. Andere stellen zusätzliche Anforderungen an Unternehmensalter oder Beschäftigung. Prüfen Sie deshalb Ihre konkrete Situation; „für KMU“ bedeutet nicht automatisch, dass jedes Angebot für Solo-Selbstständige geeignet ist. [3][4]

Kann ich mir eine neue Website fördern lassen?

Eine Website ist nicht automatisch förderfähig. Entscheidend sind die konkrete Leistung, das Programm und mögliche Ausschlüsse. Trennen Sie etwa Strategie, technische Entwicklung, Onlineshop-Funktionen und laufende Betreuung. Ein Programm für konzeptionelle Beratung ist keine pauschale Finanzierung des gesamten Webprojekts. [12] Die einzelnen Kostenarten und Prüfschritte erläutert unser Ratgeber zum Thema Website und Onlineshop fördern lassen.

Gibt es eine allgemeine Förderquote für Digitalisierung?

Nein. Die hier vorgestellten Beispiele arbeiten mit unterschiedlichen Förderformen und Grenzen. Entscheidend ist außerdem, welche Kosten anerkannt werden. Nutzen Sie daher die Rechnung aus Abschnitt 8, statt einen beworbenen Höchstsatz auf Ihre Gesamtrechnung anzuwenden.

Muss ich einen Fördermittelberater beauftragen?

Für Ihre erste Recherche können Sie die offiziellen Informationsseiten selbst nutzen. Ob im weiteren Verfahren bestimmte Beratungsstellen, Finanzierungspartner oder zugelassene Anbieter erforderlich sind, ergibt sich aus dem jeweiligen Programm. Bei INQA beginnt der Weg beispielsweise mit einer INQA-Beratungsstelle; bei der KfW führt er über einen Finanzierungspartner. [4][7]

Kann ich nach dem Kauf noch einen Antrag stellen?

Verlassen Sie sich nicht auf eine nachträgliche Förderung. Prüfen Sie Auftrag und Projektbeginn vorab. Bereits begonnene Vorhaben können ausgeschlossen sein. Wenn Sie schon etwas bestellt oder beauftragt haben, geben Sie das bei der Prüfung offen an. [7]

Was passiert, wenn ich keine passende Förderung finde?

Dann prüfen Sie, ob sich das Vorhaben verkleinern, stufenweise umsetzen oder aus eigenen Mitteln finanzieren lässt. Für eine größere Investition kann eine passende Finanzierung zu prüfen sein. Entscheidend bleibt, ob das Projekt Ihrem Unternehmen einen nachvollziehbaren Nutzen bringt und finanziell tragbar ist.

Lassen Sie Ihr Vorhaben persönlich einordnen

Sie haben eine Projektidee, möchten aber nicht jede Förderbedingung allein durchgehen?

Im kostenlosen Fördercheck von Funktioniert Einfach beschreiben Sie Ihr Unternehmen, Ihr Vorhaben und den bisherigen Projektstand. Wir prüfen anschließend mögliche Förderansätze und offene Voraussetzungen. Sie erhalten eine persönliche Rückmeldung – auch dann, wenn weitere Angaben nötig sind oder aktuell keine passende Förderung erkennbar ist.

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Die Vorprüfung ist unverbindlich und keine Förderzusage. Ob weitere Beratung oder Unterstützung sinnvoll und möglich ist, besprechen wir anschließend. Umfang und Kosten zusätzlicher Leistungen werden separat vereinbart.

Die folgenden Quellen wurden für diesen Ratgeber herangezogen. Programmstände, Antragsfenster und Bedingungen können sich ändern. Für einen Antrag sind die zu diesem Zeitpunkt maßgeblichen Regelungen und Angaben der zuständigen Förderstelle entscheidend. Quellenstand: 18. Oktober 2026.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. [1] Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Förderdatenbank des Bundes.www.foerderdatenbank.de
  2. [2] Europäische Kommission: SME definition – Beschäftigten- und Finanzschwellen sowie Unternehmensverbindungen.single-market-economy.ec.europa.eu
  3. [3] Förderdatenbank des Bundes: Förderung von Unternehmensberatungen für KMU – Beratungsgegenstand, Voraussetzungen und Ausschlüsse.www.foerderdatenbank.de
  4. [4] INQA: Informationen für KMU – Zielgruppe, Erstberatung und autorisierte Coaches.www.inqa.de
  5. [5] NRW.BANK: Mittelstand Innovativ & Digital – Digitale Prozesse, einschließlich aktueller Antragssituation.www.nrwbank.de
  6. [6] Land Nordrhein-Westfalen: Richtlinie MID-Digitale Prozesse vom 29. Juli 2026, Fassung ab 1. September 2026; insbesondere Nummern 2 bis 5 und 7.recht.nrw.de
  7. [7] KfW: ERP-Förderkredit Digitalisierung, Programme 511/512.www.kfw.de
  8. [8] Bundesportal Innovation – Beratung – Förderung: Mitteilung zum Auslaufen von go-digital.www.innovation-beratung-foerderung.de
  9. [9] Bundeswirtschaftsministerium: Bericht zu den Programmen der Innovations- und Technologieförderung im Mittelstand; Abschnitt zum Ende von „Digital Jetzt“.www.bundeswirtschaftsministerium.de
  10. [10] Europäische Union: Verordnung (EU) 2023/2831 über allgemeine De-minimis-Beihilfen; insbesondere Artikel 2, 3 und 5.eur-lex.europa.eu
  11. [11] Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Förderrichtlinie INQA-Coaching, Stand Juni 2026; insbesondere Voraussetzungen, Coaching-Scheck und Erstattungsprinzip.www.inqa.de
  12. [12] IHK für München und Oberbayern: Förderung von Unternehmensberatungen für KMU – Verfahrensschritte und Informationsschreiben.www.ihk-muenchen.de

Wie geht es bei Ihnen weiter?

Schildern Sie kurz Ihre Ausgangslage. Ich schaue mir Ihre Situation persönlich an und sage Ihnen ehrlich, welcher Schritt sinnvoll ist.

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